Kein Monat vergeht, ohne dass die Jungen „wilden“ Auwald-Ranger unterwegs sind – GeoWerkstatt begleitet die Teilnehmer*innen zum Thema Land- schaftswandel im Leipziger Auwald

Auf einer Fahrradexkursion vom Connewitzer Wehr bis an die Südspitze des Cospudener Sees entdeckten wir gemeinsam die in starkem Maße vom Menschen verursachten Veränderungen der Landschaft während des letzten Jahrhunderts. Die vormals vom Auwald der zwei großen Flüsse Weiße Elster und Pleiße geprägte Landschaft im Süden von Leipzig ist heute zum Synonym für Badespass, Wassersport, Naherholung und Tourismus geworden – bekannt unter dem Label „Leipziger Neuseenland“. Doch was führte zu dieser Veränderung? Wer hat diese Veränderungen verursacht? Und warum gibt es so viele Seen im Süden von Leipzig, die es vorher gar nicht gab? Diesen und vielen weiteren Fragen sind wir auf unserer kleinen Fahrradexkursion im Rahmen der Ausbildung zum Auwald-Ranger nachgegangen.

Text und Bilder von Ronny Schmidt

Zusammen mit Anja von der Auwaldstation sowie Ronny von der GeoWerkstatt haben die Jungen Auwald-Ranger die zum Teil drastischen Veränderungen der Landschaft im Süden von Leipzig erkundet. Von den in den historischen Karten noch gut zu erkennenden Flussläufen der Weißen Elster und Pleiße mit ihren vielen kleinen Nebenflüssen und Mäandern sowie den an die Flussläufe angrenzenden Auwäldern ist auf den heutigen Kartenbildern nur noch ein sehr kleiner Teil zu erkennen. Stattdessen ist die Landschaft im Süden von Leipzig gekennzeichnet von einer Vielzahl von Seen, die es vorher hier so noch nicht gegeben hat. Sie sind das Ergebnis der von Menschenhand verursachten Veränderung des Landschaftsbildes durch den Braunkohletagebaubetrieb im vergangenen Jahrhundert. Bei den Seen, von denen wir den Cospudener See bei unserer Tour besichtigt haben, handelt es sich um Bergbaufolgeseen, die durch die Flutung der Braunkohletagebaue nach dem Ende der Kohleförderung entstanden sind. Die Tagebaufolgelandschaft im Süden von Leipzig ist heute besser bekannt als das „Neuseenland“, und zeichnet sich durch die vielfältigen Angebote für Freizeit, Sport und Naherholung aus – inmitten einer neuen Seenlandschaft, die es vorher so nicht gegeben hat.

Kleine Dörfer und ehemalige Rittergüter mussten der Braunkohle weichen und wurden devastiert. Im Fall Cospuden erinnert nur noch der heutige Name des Sees an das verloren gegangene gleichnamige Rittergut. Die „Harth“, ein beliebtes Ausflugsziel im Süden von Leipzig, musste den Bergbauaktivitäten ebenso weichen, wie die Flüsse, Straßen und Eisenbahnlinien, die im Zuge der Tagebauaktivitäten verlegt werden mussten. Mit Hilfe unterschiedlicher historischer Karten, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreichen, lassen sich die Veränderungen sehr gut veranschaulichen. Neben den bereits erwähnten Fluss-, Straßen- und Bahnlinienverlegungen hat sich vor allem auch die Topographie der Landschaft wesentlich verändert. Zudem wurde der Wasserhaushalt der Landschaft maßgeblich beeinflusst.

Auf unserer Fahrradexkursion wurden an verschiedenen Standorten die kleinen und großen Veränderungen der Landschaft aufgezeigt. Die Teilnehmer*innen haben an den Orten, die den Wandel am deutlichsten aufzeigen, Papier und Stift zur Hand genommen und die Veränderungen in selbst gemalten Bildern festgehalten. Viel einprägsamer als ein kurzes Foto! Geduldig haben die angehenden Auwald-Ranger die Landschaft und die verschiedensten Details beobachtet und gezeichnet. Wir haben über die Veränderungen gefachsimpelt und gleichzeitig versucht, diese Veränderungen hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf das gesamte Landschaftsbild zu bewerten.

Kategorie: Allgemein |

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