2012: Leipzig Charta – Leitbild der europäischen Stadt?!

 

Die fünfte SummerSchool der GeoWerkstatt widmete sich der Gestaltung von Entwicklungsprozessen europäischer Städte. Der Abschlussbericht fasst das Programm, wichtige Erkenntnisse und die Ergebnisse der Evaluation kurz zusammen. Hier gibt es noch den Link zum letzten Blogeintrag der SummerSchool vom 18.11.2012.

 

——————————————————————————————————————————————————————-

Die Zukunft gehört den Städten. Bereits heute leben über 50% der Weltbevölke­rung in urbanisierten Regionen. In Deutschland waren es 2010 etwa 75%. Städte sind die Zentren eines fortwährenden gesellschaftlichen Wandels. Sie sind Orte einzigartiger kultureller und baulicher Qualitäten, verfügen über große soziale Integrationskräfte und außergewöhnliche ökonomische Entwicklungschancen. Sie sind Zentren des Wissens, Orte von Kreativität und Innovation. Dem gegenüber geht von Städten eine starke ökologische Belastung aus. Weitere Aspekte, die die soziale und wirtschaftliche Balance innerhalb und zwischen den Städten beein­trächtigen, sind unter anderem der demografische Wandel, soziale Ungleich­heiten, Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen und der Mangel an preis­günstigem Wohnraum.

In vielen Städten Europas verursachen wirtschaftliche und soziale Veränderungen unterschiedlichste Konflikte, die zunehmend Gegenstand von stadtpolitischen Debatten sind. Vor dem Hintergrund knapper öffentlicher Mittel verweisen politische Akteure oft auf eine nötige Schwerpunktsetzung in der Stadtplanung. Die Bindung von Fördermitteln an sogenannte „Leuchtturmprojekte“ kann jedoch zur Verstetigung bestehender sozialer Ungleichheiten und zum Ausschluss benachteiligter Gruppen bei gesellschaftlichen Gestaltungsprozessen führen. Die nachhaltige Integration aller gesellschaftlichen Gruppen sowie der Abbau von Disparitäten sollte allerdings auch im 21. Jahrhundert ein wichtiges Ziel der Stadtplanung bleiben.

Vor genau fünf Jahren trafen sich die für Stadtentwicklung zuständigen Minister der EU-Mitgliedsstaaten in Leipzig. Auf diesem informellen Ministertreffen wurden gemeinsame Grundsätze und Strategien zur Zukunft der Europäischen Stadt formuliert und in der Leipzig Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt verankert. Um die gewachsene europäische Stadt als „ein wertvolles und unersetz­bares Wirtschafts-, Sozial und Kulturgut“ zu schützen, wurden strategische und koordinierte Lösungsansätze für eine nachhaltige Stadtentwicklung erarbeitet. Die drei Dimensionen der nachhaltigen Entwicklung – Ökonomie, Ökologie und Soziales – sollen dabei gleichberechtigt berücksichtigt werden. Für die Umsetzung und das Erreichen der Ziele sollen sowohl die Ansätze einer integrierten Stadtent­wicklungspolitik stärker genutzt, als auch den benachteiligten Stadtquartieren im gesamtstädtischen Kontext besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden.

Ob die in der Leipzig Charta formulierten Empfehlungen ein adäquates Mittel sind, den Herausforderungen und Problemen von modernen Städten nachhaltig zu begegnen, muss sich zeigen. Anknüpfend an diese Problematik wollte die fünfte SummerSchool des GeoWerkstatt Leipzig e.V. „Leipzig Charta – Leitbild der europäischen Stadt?“ Fragen aufwerfen und diskutieren.

——————————————————————————————————————————————————————-

Die SummerSchool 2012 „Leipzig Charta- Leitbild der europäischen Stadt?“ wurde unterstützt von: